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Feldforschung rettet Füchse

Polarfuchsforscher Rasmus Erlandsson berichtet uns über seine Feldforschung im Sommer:

Ziel der Feldforschung im Sommer ist es, Daten für die Forschung zu sammeln und den Provinzialregierungen bei der Bestandsaufnahme und den Schutzmaßnahmen zu helfen. Es ist ein bisschen wie wenn man ein Puzzle zusammensetzt. Wir wissen aus den Vorjahren, wo die Höhlen der Füchse sind, und die Provinzialregierung hat häufig Informationen über Aktivitäten, die im Frühling an verschiedenen Höhlen beobachtet wurden. Das bedeutet, dass wir bereits ein umfassendes Bild haben - aber um Näheres herauszufinden, müssen wir nach draußen gehen und die Höhlen besuchen.

Insgesamt kann es 60 bis 70 Höhlen geben, die in jedem Gebiet aufgesucht werden müssen. Jedes Jahr ist anders; in manchen Jahren geht die Bestandsaufnahme viel schneller als in anderen, denn alles hängt davon ab, wie viele Lemminge es gibt und wie das Wetter ist. Wenn es viele Lemminge und Nager gibt, dann gibt es auch mehr Würfe und Welpen, was mehr Arbeit bedeutet.

10-Tages-Tour in den Bergen oberhalb der Baumgrenze

Die freiwilligen Helfer werden paarweise aufgeteilt und jedes Team erhält eine Route, für die es etwa 10 Tage benötigt; das ist auch in etwa die Grenze für die Lebensmittelmenge, die man tragen kann. Gleichzeitig ist es wichtig, so lange wie möglich am Stück draußen zu sein, damit man nicht so viel Zeit mit dem Auf- und Abstieg verschwendet, um über die Baumgrenze zu gelangen. Die Höhlen befinden sich auf freien Flächen und liegen Dutzende von Kilometern auseinander. Manchmal kann man ein Stück auf einem Wanderweg zurücklegen, aber ein Großteil der Wanderungen geht über unbefestigtes Gelände. Die Strecken können lang sein und alles, was du benötigst, musst du auf deinem Rücken tragen.

Trekking zu zweit bedeutet, dass einige Ausrüstungsgegenstände aufgeteilt werden können, z. B. das Zelt und der Kocher, was die Last ein bisschen leichter macht. Man muss jedoch auch dazu in der Lage sein, etwas von der Forschungsausrüstung zu tragen – und die wiegt auch ein bisschen.

Feldforschung in der Praxis

Die freiwilligen Helfer können so unkomplizierte Aufgaben bekommen wie Beobachtung und Bestandsaufnahme der Beutetiere der Füchse, oder Beobachtung und Markierung von Welpen. Die Informationen über die Beutetiere benötigen wir um die unterschiedlichen Überlebensbedingungen zu verstehen, die die Füchse Jahr für Jahr haben. Bei markierten Welpen können wir einzelne Tiere ihr ganzes Leben über begleiten, was sonst bei Wildtieren schwierig ist. Wenn wir sie markieren nehmen wir außerdem DNA-Proben, die zu vielen Forschungsansätzen führen.

In den meisten Fällen bekommen wir von den Naturschützern der Provinzialregierung Informationen darüber, bei welchen Höhlen es im Frühjahr Aktivitäten gab. Wenn es viele Aktivitäten gab, ist es möglich, dass sich Welpen in der Höhle befinden; aber das können wir erst bestätigen, wenn wir die Höhle aufgesucht haben. Deshalb sind die Berichte von unseren Beobachtungsteams entscheidend für die Planung der Markierungsarbeiten. Für die Markierung braucht man Erfahrung, da der Umgang mit Wildtieren schwierig sein kann – denn sie sind nicht an den Menschen gewöhnt und haben Angst vor uns. Daher ist es wichtig, dass jeder, der bei der Markierung mitarbeitet, von jemandem mit Erfahrung aus den Vorjahren angelernt wird, und üben und Erfahrung sammeln kann.

Wenn wir an einer Höhle ankommen müssen wir zunächst herausfinden, ob sie bewohnt ist oder nicht, und wenn ja, ob es Welpen gibt. Wir beobachten die Höhle zuerst aus der Entfernung. Wenn wir keine Füchse sehen, suchen wir nach Spuren und Anzeichen von Aktivität, z. B. frischem Kot oder Grabspuren. Auch wenn die Höhle voller Welpen ist kann es mehrere Stunden dauern, bis wir sie sehen können. Wenn wir also meinen, dass die Höhle bewohnt ist, schlagen wir dort unser Lager auf und beobachten die Höhle 24 Stunden lang. Nach 24 Stunden haben wir normalerweise einen guten Überblick darüber, welche erwachsenen Tiere in der Höhle sind und ob es Welpen gibt und wie viele. Wenn man kein Glück hat und das Wetter schlecht ist, muss man eventuell länger bleiben um sich ein Bild von dem zu machen, was in der Höhle vorgeht. Im schlimmsten Fall muss man sogar weiterziehen, auch wenn die Situation unklar ist; in diesen Fällen muss die Höhle zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgesucht werden, was aufgrund der zeitlichen Einschränkungen schwierig sein kann.

Bei unseren Besuchen der Höhlen helfen wir auch, indem wir Fütterungsstationen, die die lokalen Naturschützer in dem Gebiet errichtet haben, um den Füchsen bei knappem Nahrungsangebot zu helfen, mit Futter auffüllen. Die ganze Zeit über berichten wir den Naturschützern, wo es neue Würfe gibt, wieviel Futter gefressen wurde und wo wir den Vorrat aufgefüllt haben. Dadurch können sie das Nachschub des Futters effizienter gestalten und sicherstellen, dass es auch in der Nähe neu bewohnter Höhlen Fütterungsstationen gibt.

Pläne ändern sich häufig

Da wir häufig erst nachdem wir die Berichte unserer Teams draußen im Feld bekommen haben wissen, wie es im Einzelnen aussieht, können wir nicht komplett sicher sein, wie wir die Arbeit planen. Auch das Wetter und andere Umstände können uns Schwierigkeiten bereiten, weshalb wir mit unserer Planung flexibel sein und sie anhand der eingehenden Berichte anpassen müssen. Es ist also sehr wichtig, dass wir Pläne ständig überdenken und improvisieren können. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Handyempfang in den Bergen nicht der beste ist und es in einigen Gebieten schwierig sein kann, in Kontakt zu bleiben. Und da die Person, die alles plant, auch draußen im Feld ist, kann es manchmal mit der Kommunikation sehr kompliziert werden. Aber in der Regel können wir Textnachrichten versenden, auch wenn das Anrufen nicht funktioniert.

Dokumentation ist wichtig, auch unter schwierigen Bedingungen

Alle von uns gesammelten Informationen müssen dokumentiert werden, damit wir sie in unsere Datenbank eingeben können. Wenn man müde ist und das Wetter schlecht ist oder es von Mücken nur so wimmelt, kann es schwierig sein, den Überblick über alle Zahlen und Papiere zu behalten. Aber es ist entscheidend, wenn die ganze Arbeit, die wir hier investieren, zu etwas führen soll.

Über den Autor: Rasmus Erlandsson erforscht die Ökologie der Polarfüchse und ist Doktorand im Zoologischen Institut der Universität Stockholm.

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